Abstrakte und moderne Kunst und Malerei

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Herstellung und Werkstätten antiker griechischer Vasen

Zu den bedeutendsten Zentren der griechischen Keramikproduktion und damit der Vasenmalerei zählt neben Attika mit seinem Zentrum Athen vor allem Korinth. Bekannt sind aber auch Vasen, die aus Böotien und Lakonien stammten.

Über die griechischen Kolonien in Unteritalien wurden griechische Töpferkunst und Vasenmalerei auch in Unteritalien bekannt. Seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. wurde griechische Keramik in Italien imitiert. Möglicherweise sind auch griechische Töpfer und Vasenmaler dorthin ausgewandert. Ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich in Unteritalien ein eigener Stil, der von griechischen Vorbildern unabhängig war. Die unteritalischen Vasen zeichnen sich oft durch ihre Größe und den reichen Dekor aus, bei dem zusätzlich noch weiße und rote Farbe verwendet wurde.

Als Bildmotive dienten meist Szenen aus den griechischen Götter- und Heldensagen, aber auch Alltagsszenen. So sind Hochzeitsriten oder das Leben der Athleten durch viele Vasendarstellungen überliefert. Auch erotische Darstellungen finden sich in großer Anzahl. Als Sonderform unteritalischer Vasen gelten die Naiskosvasen wegen ihres namensgebenden Motives, welches auf den Totenkult und das Begräbnis verweist.

Die Herstellung antiker Keramik lässt sich anhand von Tonanalysen, Ausgrabungen antiker Werkstätten, Vergleichen mit modernen Töpfereien und Auswertungen von Vasenbildern nachvollziehen. Eine Reihe von korinthischen Tontafeln zeigen Szenen aus dem Leben von Töpfern und Malern. Auch Töpferwerkstätten sind auf insgesamt 16 attischen Vasen und einem böotischen Skyphos abgebildet.

Für die Herstellung ist vorerst Tongewinnung von großer Bedeutung. Es handelt sich hierbei um ein verwittertes Gestein. Dieses wurde oft vom Ort der Entstehung weggeschwemmt und dabei mit anderen Elementen vermengt. Die beigemischten Elemente bestimmen die Färbung des Tons nach dem Brennen. Korinthischer Ton nahm eine gelbliche, attischer eine rötliche und unteritalischer Ton eine graubraune Färbung an. Vor der Bearbeitung musste der Ton von Verunreinigungen befreit werden. Der Ton wurde hierzu in der Werkstatt in einem großen Becken eingeweicht oder geschlämmt. Dabei sank die grobe Tonerde zu Boden und die restlichen organischen Verunreinigungen stiegen an die Oberfläche. Der dicke Tonschlamm wurde anschließend in ein zweites Becken umgeleitet, wo das überschüssige Wasser verdunstete. Schließlich wurde der Ton ausgestochen und längere Zeit feucht gelagert. Durch Fäulnisprozesse (auch als „Altern“ bezeichnet) während des Lagerns wurde der Ton geschmeidiger. Zu fettige (weiche) Tone mussten vor der Bearbeitung mit Sand oder gemahlener Keramik fester gemacht (gemagert) werden. Da sich bei den figurenverzierten Vasen Athens kaum Magerung feststellen lässt, sind diese Gefäße mit einem besonders gut gealterten Ton angefertigt worden.

Nachdem der Ton die richtige Konsistenz hatte, wurde er mit den Füßen gründlich durchgeknetet (Herodot II 36) und in einzelne Stücke unterteilt. Der Ton wurde auf die Töpferscheibe gelegt und zentriert, damit beim Drehen keine Schwankungen entstanden. Die Drehscheibe gab es in Griechenland schon seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. Eine literarische Beschreibung liefert die Ilias (XVII 599-601). Die Töpferscheibe wurde durch einen sitzenden oder hockenden Gehilfen gedreht, was durch zahlreiche Vasenbilder belegt ist.

Nach der Zentrierung auf der Töpferscheibe wurde aus dem Ton der Gefäßkörper gedreht. Falls das Gefäß höher als der Arm des Töpfers war, wurde es aus mehreren Teilen zusammengesetzt. Fertige Teile wurden von der Drehscheibe mit einer Schnur abgeschnitten, was durch Spuren nachweisbar ist. Gefäßfüße, Henkel und Appliken (etwa Masken in Relief) wurden separat geformt und mit dünnem Ton angeklebt. Die fertig gedrehten Gefäße wurden an einem trockenen und schattigen Ort zum langsamen Trocknen aufgestellt, um Risse durch zu schnelles Trocknen zu vermeiden. Sobald der Ton lederhart war, wurde das Gefäß auf der Töpferscheibe „abgedreht“. Der Töpfer schnitt den überschüssigen Ton ab und versah Mündungen und Füße mit den für antike Gefäße typischen scharfen Kanten.

Die Bemalung der Gefäße fand vor dem Brennen statt. Das Gefäß wurde zuerst mit einem feuchten Lappen abgewischt und anschließend mit einem stark verdünnten Glanzton überzogen, der dem Tongrund nach dem Brennen eine rötliche Färbung gab. Hierfür wurden oft Tonschlicker oder andere Erdfarben verwendet. Die Gefäße wurden entweder auf der Töpferscheibe bemalt oder der Vasenmaler hielt sie vorsichtig auf dem Schoß. Dieser Malvorgang wird durch zahlreiche Vasenbilder, Probebrände und unvollendete Stücke bestätigt.

Bei geometrischen, orientalisierenden und schwarzfigurigen Vasen wurden die Figuren wahrscheinlich mit einem Pinsel aufgetragen. In spätgeometrischer Zeit wurde auf einigen Vasen weiße Deckfarbe verwendet, die oft abgeblättert ist und uns Details sichtbar macht, welche der Maler vor dem Betrachter verbergen wollte. Die Ritzung der Gefäße war besonders für die schwarzfigurige Malerei charakteristisch und wurde vermutlich von der Arbeitsweise der Gravuren herstellender Metallhandwerker abgeschaut. Zur Ritzung haben die Maler Werkzeuge wie zum Beispiel einen scharfen Metallgriffel verwendet. Seit der protogeometrischen Epoche wurden auch Zirkel benutzt, um konzentrische Halbkreise und Kreise zu konstruieren. Ab der mittelprotokorinthischen Periode sind Vorzeichnungen nachweisbar, welche mit einem spitzen Holzstück oder mit einem scharfen Metallinstrument angefertigt wurden. Diese Ritzungen waren nach dem Brennen kaum noch sichtbar. Rotfigurige Vasenmaler haben des öfteren die Darstellung zunächst skizziert. An manchen Gefäßen lässt sich nachweisen, dass die fertigen Bilder nicht mit den Skizzen übereinstimmen. Ein gutes Beispiel hierfür ist eine Halsamphora des Kleophrades-Malers, auf der ein Satyr mit Speer und Lanze abgebildet ist, ursprünglich aber einen Brustpanzer halten sollte. Unvollendete rotfigurige Vasenbilder zeigen, dass die Maler ihre Vorzeichnungen mit einem bis zu 4 Millimeter breiten Streifen umrandet haben. Dieser Streifen ist auch bei fertig gestellten Vasen nachweisbar. Die Binnenzeichnung wurde mit verschiedenen Linien ausgeführt. Um den Umriss des Körpers, Gliedmaße und die Haare deutlich hervorzuheben, wurden Relieflinien (erhabene Linien aus schwarzem Glanzton) verwendet. Diese Relieflinien sind auch bei schwarzfigurigen Gefäßen erkennbar. Die übrigen Details wurden mit tiefschwarzer oder zu Braun verdünnter Tonfarbe gezeichnet. Zum Abschluss wurde der Hintergrund, bei offenen Gefäßen auch die Innenseite, mit einem dicken Pinsel schwarz eingefärbt.

Auf den Gefäßen befinden sich auch Inschriften: Töpfer- oder Malersignaturen, beigeschriebene Namen für die Erläuterung des Dargestellten und Kalos-Inschriften. Gelegentlich gibt es auch auf den Gefäßböden eingeritze Zeichen. Manchmal wurde so der Preis angebracht, etwa ein großes Beta, oder die Einritzung diente als Herstellermarke.

Nach vollständigem Trocknen konnten die Gefäße gebrannt werden. Es wurden permanente und kurzzeitig benutzte Öfen in der Antike verwendet. Die Öfen wurden von den Töpfern selbst aus Feldsteinen und Ziegeln gebaut und hatten je nach Bedarf unterschiedliche Durchmesser. Sie waren teilweise in die Erde eingelassen, um das Beladen der Brennkammer zu erleichtern und Wärme zu halten. Die Öfen hatten einen runden oder rechteckigen Grundriss und ein Kuppel mit einem Abzugsloch in der Mitte. Auf einer Seite befand sich die Einsatzöffnung, um die Keramik in der Brennkammer aufzustellen. Diese Öffnung wurde vor dem Brennen zugemauert. Auf der anderen Seite befand sich das Schürloch mit dem Schürhals. Über der Schürkammer (Hölle) befand sich die Lochtenne, ein durchlochter Boden, welcher mit Pfeilern abgestützt wurde. Eine zweite durchlochte Decke befand sich unter der Kuppel, um die aufsteigende heiße Luft zu verlangsamen. Die Gefäße in der Brennkammer wurden dicht nebeneinander gestellt und Tonkeile bzw. Tonringe sollten ein Verrutschen der Ladung verhindern. Gefäße gleicher Form wurden auch ineinander gestellt, was durch ringförmige Verfärbungen auf den Innenseiten antiker Vasen belegt ist. Auch der Raum in der Hölle wurde zum Brennen unverzierter Keramik genutzt. Da der Brennvorgang gefährlich und mit Fehlbränden verbunden war, hängten Töpfer Weihetafeln und unheilabwendende Masken an ihre Öfen.

Figurenverzierte Keramik musste in regulierbaren Öfen bei Temperaturen bis zu 900 °C in der sogenannten Eisenreduktionstechnik gebrannt werden. Die Farbgebung entstand durch wiederholte Oxidation und Reduktion des Eisens. Der feine Tonschlicker war reich an Illit und verbackte oder versinterte leichter bei hoher Hitze als der Ton der Gefäßwandung. Der Brennvorgang bei der Herstellung schwarz- und rotfigurier Keramik bestand aus drei Phasen und wird Dreiphasenbrand oder Dreistufenbrand genannt.

Der Dreiphasenbrand:

Erste Phase:

Die im Ton vorliegenden verschiedenen Eisenoxide werden durch reichliche Luftzufuhr während des Brennens bei einer Temperatur von etwa 900 °C in rotes Eisenoxid (Fe2O3, Eisen(III)-oxid) umgewandelt. Diese Stufe dauerte bis zu 9 Stunden.

Zweite Phase:

Diese Phase dauerte nur 5 bis 10 Minuten. Feuchtes Brennmaterial wurde auf das Feuer geworfen, um Rauch zu erzeugen. Das Schürloch und der Abzug wurden verschlossen, und dem Eisen(III)-oxid wurde somit Sauerstoff entzogen. Durch diese Reduktion bildete sich schwarzes Eisen(II,III)-oxid (Fe3O4). Das ganze Gefäß färbte sich schwarz.

Dritte Phase:

In dieser letzten Phase wurden Schürloch und Abzug wieder geöffnet, und das Eisenoxid (Fe3O4) der nicht versinterten Partikel des Gefäßtons wurde wieder zu rotem Eisen(III)-oxid (Fe2O3) oxidiert. Der feine, schwarz gewordene Tonschlicker der Malerei war aber in der Hitze bereits wie eine Glasur verbacken. Dadurch konnte sich der Sauerstoff nicht mit dem darin eingeschlossenen schwarzen Eisen(II,III)-oxid verbinden, und die Malerei blieb schwarz, während der übrige Ton des Gefäßes wieder rot wurde.

Antike Töpfereien variierten erheblich in Größe und Aufbau. Es gab Wandertöpfer, welche die Bedürfnisse kleiner ländlicher Gemeinden befriedigten. Sie benötigten meist nur brauchbaren Ton, einige Werkzeuge und eine tragbare Töpferscheibe. Grobe Waren wurden oft in offenen Feuern gebrannt. Korinths bekanntestes Töpferviertel befand sich westlich der Agora und lag in einiger Entfernung zum Stadtzentrum. Anhand von Werkstattabfällen kann die Existenz von mehreren Werkstätten bezeugt werden, welche sich in den Außenbezirken und auf dem Forum befunden haben. Töpfer waren meist nicht nur auf eine Warenart spezialisiert und haben neben Vasen auch Tonfiguren und Dachziegel hergestellt. Tonvorkommen gab es in unmittelbarer Nähe und auf den Abhängen der Burg Akrokorinth. Die Standortauswahl von Werkstätten war nicht nur vom Tonvorkommen, sondern auch von der Verfügbarkeit des Brennmaterials und der Erreichbarkeit des Marktplatzes abhängig. Da korinthische Töpfereien in der Nähe von gutem Ackerland angesiedelt waren, wird vermutet, dass diese auch Landbesitzer waren und Landwirtschaft betrieben haben.

In Athen war das bekannteste Töpferviertel der Kerameikos, der seinen Namen vom Schutzpatron der Töpfer hat. Die Töpfer von Athen konnten Ton nicht immer selbst abbauen und waren somit auf Zulieferer angewiesen. Tonvorkommen in der Umgebung Athens gab es im 15 km entfernten Kap Kolias, im Illissosgebiet und in Marousi. Figurenverzierte Keramik geringerer Qualität wurde auch außerhalb des Zentrums (Akademie, Odos Lenormant) hergestellt, was durch Töpfereiabfälle bezeugt ist.

Eine Werkstatt bestand aus einem Wohnhaus mit einem geräumigen Hof mit regengeschützten Räumen, Regalen für trocknende Keramik, Werkzeuge, Brennmaterial und Ton, Töpferscheiben, Brennöfen, Becken zum Schlämmen des Tons und einer guten Wasserversorgung. Vermutlich haben sich mehrere Werkstätten Öfen, Brunnen und Zisternen geteilt. Über die Anzahl der Arbeiter einer Werkstatt ist kaum etwas bekannt. Plato (Politeia, 467A) erwähnt, dass Töpfer ihre Kinder in ihrem Beruf ausbildeten. Daraus lässt sich schließen, dass antike Töpfereien Familienbetriebe waren.

Signaturen auf antiken Gefäßen scheinen dies zu bestätigen: Die Töpfer Tleson und Ergoteles signierten mit der Formel: „Sohn des Nearchos“. Nearchos selbst signierte als Maler und Töpfer. Signaturen auf figurenverzierten Vasen sind nur selten vorhanden. Etwa 900 von rund 70 000 bekannten Vasen sind signiert. Namentlich uns bekannte Töpfer sind z.B. Nikosthenes und Exekias. Es kommt auch vor, dass Vasen doppelt signiert sind. Wenn es sich nicht um ein und dieselbe Person handelte, wurden Töpfer und Maler der Vasen getrennt angegeben.

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