Mumia (auch Pulvis mumiae, Mumiya, Mumienpulver) ist eine bis in die 1920er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein als Heilmittel verwendete Substanz. Sie bestand aus zermahlenen ägyptischen Mumien. Die Substanz war auch unter der Bezeichnung Mumia vera aegyptiaca im Handel und wurde auch von bekannten pharmazeutischen Firmen vertrieben. Daneben war sie auch als farbschönes Braun-Pigment (Mumienbraun) Verwendung.
Mumien wurden durch Grabraub in Ägypten und angrenzenden Landstrichen schon immer aus ihren Aufbewahrungsstätten entfernt. Neben den ‚Königsgräbern‘, also Gräbern hochgestellter Personen mit reichen Grabbeigaben wurden auch riesige Mengen an schlichten Bestattungen gefunden. Daneben fanden sich auch zahlreiche Mumien von den Ägyptern heiligen Tieren, wie Falke oder Katze.
Seit wann diese als Substanz verwendet wurden, ist unbekannt. Mumia soll angeblich vor zweitausend Jahren das erste Mal verwendet worden sein. Man nimmt heute das an, dass ab dem 12. Jahrhundert nach Europa importiert wurden. Im 16. Jahrhundert verboten die Araber den Mumienhandel mit Europa. Sie wollten so verhindern, dass die Europäer ihre Vorfahren „essen“ – damals hatte in Europa fast jede Apotheke ihre Mumie. Viele Mumienhändler haben darauf Gehängte und frisch Gestorbene im Wüstensand vergraben und zu „antiken Mumien“ gemacht.
Auch hat die beginnende Archäologie des 18. und 19. Jahrhundert bestattete Altägypter wieder vermehrt zutage gefördert, und den Markt mit deren sterblichen Überresten versorgt. In den Handel kam Mumia vera in Form eines hellen, schokoladenfarbenen Pulvers im Preis pro Pfund oder Kilo, oder ganze Köpfe nach Stück. 1924 wurde noch Mumia vera aegyptiaca für 12 Goldmark in Deutschland verkauft. Zu dieser Zeit wurde Mumia auch in Europa zunehmend verfehmt. Der Kunstwissenschaftler Kurt Wehlte sicherte sich noch Material aus der Moeves'schen Künstlerfarbenfabrik in Berlin, um sie als historisches Dokument in seinem Materialienarchiv (heute Hochschule für Bildende Künste Dresden) auszubewahren – die Restbestände wurden seinerzeit einfach „unrühmlich“ verheizt. Er erwähnt ausdrücklich, dass es sich um echte Leichenteile handelte („Man erkannt daran deutlich dicke Arterien und Röhrenknochen“ und „nur halb verfallene Bandagen“), distanziert sich aber von der „pietätlosen Gewinnsucht“, diese zu verarbeiten und zu verwenden.
In welchem Ausmass bei der Mumifizierung überhaupt Teer zur Verwendung kam, steht allerdings heute in Frage. Nachgewiesen wurde Bitumen in jüngster Zeit eindeutig. Aber auch andere organische Substanzen wie Gummen und Harze könnten teerähnliche Formen angenommen haben.
Ausserdem waren Fälschungen aller Art für Mumia vera weit verbreitet. Viele dieser „Mumien“ waren wohl einheimischer Herkunft. So schrieb etwa J. van Beverwijck bereits 1656: „Aber bei uns wird der rechte Balsam (Zedernharz) sehr selten aus Ägypten gebracht, denn das meiste an Fleisch und Knochen stammt von armen Leuten, deren Leichnam der geringeren Kosten wegen nur balsamiert ist mit Asphalt oder Judenleim …“ Bei seinem Landsmann Petrus Baerdt heißt es 1645: „… nennen die dasselbe noch Mumia, ob es etwas besonderes wäre, obgleich es ein Arm oder Bein von einem verfaulten oder gehängten Lazarus oder einem anderen pockigen Bordellbock gewesen sein mag.“ Auch zahlreiche Moorleichen fanden so ihren Weg in die Apotheken. Sogar das Skelett der 1895 entdeckten Moorleiche von Obenaltendorf aus Niedersachsen wurde zu Mumia zermahlen.